Das fringe ensemble realisiert mit Espace Culturel Gambidi, Burkina Faso und Theater Bonn zwei Projekte über Faszination und Macht des Goldes. L’OR beleuchtet die Bedeutung des Bodenschatzes für die Menschen, die in einem der ärmsten Länder im Goldrausch ihre Existenz riskieren. GOLD spiegelt das Thema in einer saturierten Gesellschaft. Im Austausch offenbaren die Stücke, aus Sicht der drei Partner, zwei Seiten einer Medaille und sind als Parabel zum Verhältnis von 1. und 3. Welt lesbar. Das Projekt ist gefördert im Fonds Doppelpass + der Kulturstiftung des Bundes.

Gold ist das Begehrteste aller Edelmetalle. Es besitzt natürliche Schönheit und stabilen Wert. Seit jeher übt es eine magische Faszination auf Menschen aus. Denen, die nichts davon haben, verspricht es das Ende aller Sorgen, Sicherheit, Zukunft, ja: Freiheit. Diejenigen, die es bereits besitzen, streben nach mehr. Der Rausch nach Gold birgt die Gefahr des Absturzes, der Abhängigkeit, des Verlustes der – ideellen wie materiellen – Bodenhaftung.

Burkina Faso ist eines der der ärmsten Länder der Welt und gleichzeitig einer der bedeutendsten Goldproduzenten Afrikas. Hier sind die Folgen des Goldrausches offensichtlich: Während Jugendliche und Männer unter Einsatz ihres Lebens graben und schürfen, geht das Land vor die Hunde: Agrarflächen werden sich selbst überlassen oder durch Grabungen zerstört, Trinkwasser wird durch Quecksilber verunreinigt. Bei relevanten Goldfunden kaufen ausländische Großkonzerne die Rechte an den Minen und machen das Gold zum Exportprodukt, von dem nur sie profitieren.

In Ländern kapitalistischer Prägung ist Gold ein Statussymbol, eine sichere Anlage in unsicheren Zeiten. Es wird gehortet, verschoben, angelegt. Gier und Macht scheinen hier untrennbar miteinander verbunden.

Frank Heuel, Annika Ley, David Fischer, Laila Nielsen und Philine Bührer sind am 25. November nach Burkina Faso gestartet. Seitdem laufen die Proben unter der Leitung von Frank Heuel mit den deutschen sowie burkinaben Schauspieler*innen und den Musikern des im Espace Culturel Gambidi beheimateten Collectif Qu’on sonne & voix-ailes. Die Premiere des mehrsprachigen Projektes wird dort am 19. Dezember 2018 stattfinden. Interviews mit Menschen, deren Leben durch die Goldsuche und ihre Folgen bestimmt ist, bilden die Basis für die Stück-Entwicklung im deutsch-burkinaben Team. Im Sommer wird das Stück nach Deutschland reisen und in Bonn und Münster zu sehen sein. Weitere Spielorte werden noch bekannt gegeben.

Was bedeutet der „Goldrausch“ für die Gesellschaft, Politik und Ökologie des Landes? Und zu welchen sozialen Verwerfungen und Konflikten führt er? Im Verlag Theater der Zeit wird in der Reihe Recherchen eine Dokumentation herauskommen, die den interkulturellen Arbeitsprozess dokumentiert, den Fragestellungen nachgeht und sie in Bildern und Geschichten über Gold und Gier, Abhängigkeit und Absturz und dem  Versprechen einer „goldenen Zukunft“ verdichtet.

Im Frühjahr 2019 beginnen die Arbeiten für das deutsche Gold-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Theater Bonn. Den öffentlichen Start bildet eine Art Stadt-Inszenierung, eine Veranstaltung im öffentlichen Raum, die einmalig am 01. Juni stattfinden wird. Danach entwickelt Frank Heuel mit seinem Team das deutsche Gold-Stück, das im Dezember 2019 auf der Werkstattbühne des Theater Bonn Premiere haben wird.

Premiere L´OR in Ouadgadougou: 19. Dezember 2018, Espace Culturel Gambidi / Stadt-Inszenierung Bonn: 01. Juni 2019 / Premiere GOLD in Bonn: 19. Dezember 2019

Regie Frank Heuel

Bühne, Kostüme Annika Ley

Recherche, Interviews, Kommunikation, Asisstenz Amina Yanogo

Mit Collectif „Qu’on sonne & Voix-ailes“ (Abdelaziz Béranger Yameogo „B-ranger“, Anthony Kibsa Ouedraogo „Tony“, Leger Christian Dah „Terence“), Lazare Kabore „Koro Lazare 1er“, Philine Bührer, David Fischer, Laila Nielsen

Musik Elisé Soudre, Ömer Sarıgedik

Produktionsleitung Claude Guingane

Dramaturgie Frank Heuel, Collectif „Qu’on sonne & Voix-ailes“ und Team, Claude Guingane

Management Local International, Amina Yanago, Svenja Pauka

Öffentlichkeitsarbeit Claudia Grönemeyer