Weichei wider Willen

Umtoste Große Freiheit im Pumpenhaus

Münster. In der zweiten Schublade unten links hatte Hannes seine Ersparnisse gebunkert. Unter den Taschentüchern – für die Ausbildung zum Steuermann. Das Geld ist futsch. Geklaut vom eigenen Bruder. Damit nicht genug. Gleich mehrfach wird der böse Bruder zur Wurzel aller Schicksalsschläge und zur Grabschaufel der Träume im Leben von Hannes. Hierum rankt sich die Geschichte im Film „Große Freiheit Nr. 7“ von Helmut Käutner (1944). Das „Fringe Ensemble“ und „Phoenix 5“ erzählen sie nun auf der Theaterbühne neu. Unter dem Titel „Große Freiheit“ feierten sie die Uraufführung ihres neuen Stückes im Pumpenhaus.

Einst hat Hannes als Matrose auf dem Windjammer „Padua“ die Ozeane durchkreuzt. Das war einmal. Vom Schicksal gebeutelt, vom Bruder betrogen, bleibt er zurück an Land und tritt als singender Seemann im „Hippodrom“ auf, einem Amüsierlokal auf dem Kiez. Dort schmelzen Frauenherzen, wenn er Lieder singt, die nach Ferne duften. Mit Anita, der Besitzerin des Ladens, verbindet ihn eine zerbröselnde Liaison.

Doch er selbst verliebt sich unglücklich in Gisa, eine „Deern“ vom Land, die sein Bruder gefreit und sitzen lassen hat. Von der „Padua“ bleiben ihm nur seine alten Bordkumpanen Jens und Fiete, die von der See erzählen und ihn spüren lassen, dass er nun Landratte ist, Weichei wider Willen.

Für die Theater-Inszenierung des Filmklassikers hat sich Regisseur Frank Heuel selbst die „Große Freiheit“ der Umsetzung genommen. Er zersägt die Bindung von Figuren-Identitäten an feste Körper und Gesichter. Die Akteure des Ensembles – vier Männer, drei Frauen – schlüpfen munter wechselnd in die verschiedenen Figuren. Geschlechter verwischen. Mal werden Dialoge vom selben Darsteller gesprochen, mal im Chor – verteilt oder synchron. Handlungsstränge werden monologisch nacherzählt, manche Szenen „umgekehrt synchronisiert“ und zur echten Tonspur aus dem Film pantomimisch nachgespielt. Kehrreime aus den berühmten Liedern des Films schrauben sich, von den Darstellern gesungen, in Rückungen immer höher bis ins Schweine-Quieken-Falsett oder münden in vokalakrobatischen Jazz-Improvisationen.

Es gibt Pferderennen mit dem Mund und Passagen in „Kedelkloppersprook“, der Geheimsprache der Hamburger Hafenarbeiter. Die Inszenierung schwirrt vor originellen Einfällen, abrupten Wechseln und Illusionsbrüchen. Sie schrubbt der Geschichte das Rührselige vom Leib und bleibt doch inmitten der grotesken Form zärtlich, mitfühlend den Figuren gegenüber in ihren Sehnsüchten, Gelüsten, ihrem Scheitern. Mehrfach wurde diese aufregend andere Inszenierung von Szenenapplaus durchtost und am Ende minutenlang bejubelt.

Ole Cordsen
Westfälische Nachrichten, 14. September 2007

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„Große Freiheit Nr.7“ zerstört den Mythos vom Seemann

Seemanns Braut ist die See. Und weil das so ist, kann der blonde Hannes mit den strahlend blauen Augen an Land nie glücklich werden. Schon gar nicht als Tingeltangel-Sänger, zu dem er verkommen ist, seit er auf der legendären „Padua“ abgeheuert hat. An dieser Misere ändert sich auch die schöne Gisa nichts, in die er sich verliebt, ernsthaft sogar, aber vergeblich. Denn sie hat ihr Herz schon einem andern geschenkt, ach je.

Das Bonner fringe ensemble und phoenix5 aus Münster haben sich Helmut Käutners berühmten Film „Große Freiheit Nr. 7“ vorgenommen und daraus ein Theaterstück gemacht, das sich auf ebenso erhellende wie erheiternde Weise mit dem Mythos vom Seemann auseinander setzt. Am Mittwoch wurde es mit großem Erfolg in Münsters Pumpenhaus uraufgeführt.

Blütenreine Matrosen
Unter der Regie von Frank Heuel agieren die Darsteller in blütenreinem Matrosenweiß auf einer weitgehend leeren Bühne. Kulissen braucht es nicht, denn sie spielen den Film nicht nach, sondern sezieren ihn. Es gibt keine festen Rollen und damit auch keine Identifikationsmöglichkeit für den Zuschauer. Die Dialoge werden teils im Chor, teils als Monolog gesprochen. Ein andermal kommen die Originalstimmen von Band, und die Schauspieler bewegen nur die Lippen dazu. Lustige Szenen absolvieren sie mit heiligem Ernst, herzzerreißende mit stoischem Gesichtsausdruck. Auch die Seemannslieder bürsten sie gegen den Strich, wenn sie sie andachtsvoll wie einen Choral vortragen und so die Reeperbahn zur Mitternachtsmesse machen. Dieses Vorgehen legt die Mechanik bloß, nach der Käutners Film funktioniert. Die Seefahrerromantik wird mit feiner Ironie zur Anwendung gebracht und als ein rein auf Publikumswirkung zielendes Produkt entlarvt.

Ohrwürmer
Trotzdem kann man sich ihr nicht ganz entziehen. Nachdem sich die Schauspieler von der Bühne gelotst haben, verlässt man das Theater dermaßen mit Ohrwürmern gefüllt, dass der Nachhauseweg unweigerlich in nächtliche Ruhestörung ausartet.

Helmut Jasny
Münstersche Zeitung, 14. September 2007

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Jeder ist mal Hannes, jeder ist mal Willem

Das fringe ensemble ist mit einer Bearbeitung des Films „Große Freiheit Nr. 7“ in die Saison gestartet

Im Ballsaaltheater hat das fringe ensemble Käutners Film „Große Freiheit Nr.7“ auseinander genommen und freihändig wieder zusammengesetzt. Man kennt das lustige Klassikerpuzzeln von vielen Produktionen Ensemble-Chef Frank Heuel. Warum sollte der Regisseur das Verfahren nicht auch auf einen Filmklassiker anwenden? Am Ende ertönt über Tonband die große Ufa-Tonfilm-Finalmusik, von Werner Eisbrenner komponiert. Tatsächlich hat Heuel Reste der Tonspur von Käutners Film von 1944 aufgetrieben, die dann aber nicht die erwartet große Rolle spielt.

Anfangs gibt es einen fließenden Übergang mit Hans Albers Stimme, in die sich dann eine Ensemble-Stimme einklinkt. Wem sie von David Fischer, Justine Hauer, Severin von HIensbroech, Petra Kalkutschke, Georg Lennarz, Laila Nielsen bis Harald Redmer gehört, spielt keine Rolle, denn Rollen sind auch den Akteuren nicht zugewiesen. Jeder ist mal Hannes, jeder mal Willem, jeder mal Fietje und jede mal Anita oder Gisa. Und oft sind alle auch chorisch alle auf einmal, Frank Heuels Partituren sehen so aus.

Allerdings für diese zeichnet im Programm kein Musiker verantwortlich. Abgesehen von Eisbrenner. Heuel lässt es in der Schwebe: Ob er Käutner absichtsvoll missversteht, und ob er nicht selbst im Winkel seines Herzens mit der grenzenlosen Freiheit – auf See oder über den Wolken- was anfangen kann. Käutner hat nämlich 1944 nicht den romantischen Seemannsmythos unterlaufen wollen, eher schon den heroischen, von dem bei ihm überhaupt nichts auftaucht, weshalb „Große Freiheit Nr. 7“ zu seinen besseren Filmen gehört.

Ältere kennen die Geschichte vom blonden Hannes mit den strahlend blauen Augen, was mit Kurzsichtigkeit und Faulheit zusammenhing – statt Text zu lernen hat er Spickzettel benutzt. Heuel hat der Filmstory auch mancherlei übergestülpt. In Anitas Hippodrom in der Hamburger „Großen Freiheit“ singt Hannes Stimmungslieder, aber im Herzen betrügt er Anita mit Gisa, und als er sie verliert, verliert Anita ihn an die See. Das ist wie im Film. Aber es gibt Extra-Stränge wie die Viermastbark „Padua“, die heute noch als russisches Schulschiff existiert. Und es gibt die Ohrwürmer aus „Große Freiheit Nr.7“, von „La Paloma“ bis „Beim ersten Mal, da tut´s noch weh“. Die kamen natürlich beim Publikum gut an, das kräftig applaudierte.

H. D. Terschüren
Bonner Rundschau, 29. September 2007

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Eine Brise Freiheit

Auftakt der neuen Spielzeit im Theater im Ballsaal: Das fringe ensemble präsentiert in Kooperation mit phoenix 5 die „Große Freiheit“.

Was bedeutet (einem) Freiheit? „Genussfähigkeit“, „frei entscheiden zu können“, „keine Angst zu haben“, „alles abzusagen“, „Unabhängigkeit“, „Ich-Sein“, „Rock ’n‘ Roll“, „1. Fliegen, 2. In der Öffentlichkeit auf die Straße zu pinkeln“, „Sich die Welt durch puren Genuss zu eigen machen“, „das Meer“ … So die Besucher des Ballsaal-Theaters, deren Ideen, auf Karteikarten gepinselt, das Foyer des Ballsaal-Theaters schmücken.

Das Meer, endlose Weite, Symbol von Sehnsucht und von Träumen. Es ist Motiv der neu komponierten Inszenierung Frank Heuels. Sein Stück „Große Freiheit“ nährt sich auf spielerische Weise dem Mythos Seemann. Es beruht auf dem berühmten Film „Große Freiheit Nr.7“, 1943 von Helmut Käutner als erster Agfa-Farbfilm gedreht und im Dezember 1944 von Goebbels verboten. Besonders die Schlager im Film, wie „La Paloma“ oder „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ erlangten Weltruhm. Der Filmtitel Große Freiheit Nr. 7 verweist auf die gleichnamige Straße Große Freiheit im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

Auf der traditionell schlicht gehaltenen Bühne bewegen sich drei Seefrauen und vier Seemänner lässig-cool, ganz in Weiß, dunkle Sonnenbrillen. Sogleich befinden wir uns am Hamburger Hafen. Und das Publikum schunkelt mit und stimmt johlend ein, als die ersten Töne von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ erklingen. Justine Hauer erzählt mit rau-verruchter Stimme die Geschichte von Hannes Kröger. Seine Kameraden erinnern sich: „Hannes, ein richtiger Vollblutmatrose, ein ganzer Kerl“.

Laila Nielsen spielt das Gretchen, oder viel mehr Gisa Häuptlein, das unschuldige Mädchen „schön, häuslich und fleißig“, das aus der heilen Welt, in der sie lebte, jäh rausgerissen in den rauen Alltag des Rotlichtmilieus St. Paulis katapultiert wird. Dabei hisst sie sich selbst an einem Seil, wie eine Fahne, schreit gellend hysterisch ihre Figur parodierend und erzählt nebenbei ihre Geschichte.
Während eine Dirne routiniert Seemänner empfängt und sich zwischen Ihnen der ewig gleiche Dialog abspielt, beweist ein anderer Seemann, wie hoch er seine Stimme kriegen kann, bevor sie vom Krächzen ins Fiepen übergeht und den Zuschauer erschaudern lässt. Vom tiefen „Oh he Kameraden“ geht es in allen Tonlagen Akkord um Akkord höher, bis die Stimme droht, Gläser zum Zerspringen zu bringen.
Dabei stellt das fringe ensemble aufs Neue seine virtuose Schauspielkunst unter Beweis und traktiert den Zuschauer mit grob-hintersinnigen Dialogen:“ Ich sag Dir, wenn man es steuerlos treibt, dann strandet man auch bald.“

Leider speist sich das Stück aus zahlreichen Episoden, die – stark fragmentiert – nicht so recht ein geschlossenes Ganzes ergeben wollen. Demgegenüber sind die Dialoge durch weg witzig, die simulierte Seemannswelt wird pittoresk dargestellt, der Mythos „Freiheit“ kritisch hinterfragt. Sei es in der Szene, in der die Dirne im ewig gleichen Dialog ihren beliebig austauschbaren Freiern begegnet und damit ihre Unfreiheit manifest wird, sei es in der scheiternden Existenz des Protagonisten Hannes. Am Ende des Stücks hört er ein Lied, in dem es heißt: „Seemann lass das Träumen, denk nicht an zu Haus, denn nur der Sturm bleibt Dir treu.“
Das Ensemble kreiert Pointen aus dem Nichts, schafft Humorvolles, stößt uns an und gibt in epischer Manier Impulse, schafft und zerstört Illusionen. 85 Minuten wird der Zuschauer versetzt in die raue Welt der Seefahrer und schnuppert eine Brise Freiheit.

Anina Valle Thiele
www.kultur-in-bonn.de, 01. Oktober 2007

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Immer Ärger mit den Bräuten

„Die große Freiheit“ feiert im Theater im Ballsaal Premiere.

„Da sssteckt doch sicher ’n Weibssstück hintä“, näselt es von hinten rechts in feinstem Hamburgisch. Und in der Tat – der nicht mehr ganz so junge Seebär Hannes hat beschlossen „abzumustern“, das Seefahrerleben aufzugeben und sesshaft zu werden. Und alles wegen Gisa, die er aus einer Kleinstadt herausholte, wo sie als „Seemannshure“ verschrien war. Kurzerhand vom rauen Seebär zum Ritter-Retter mutiert verdient sich Hannes nun als Sänger auf der Reeperbahn seine Brötchen. Und leidet. Soweit die Hintergrundstory. Selbstverständlich ist die „Große Freiheit“, wo er auftritt, nicht nur ein Tanzlokal, die netten Damen an der Bar keine Damen und die Chefin, einst Geliebte, ziemlich sicher, dass er es nicht lange aushält an Land.

Regisseur Frank Heuels „Große Freiheit“ basiert auf dem Film „Große Freiheit Nr. 7“ von Helmut Käutner. Mit fast 65 Jahren Abstand zur Zelluloidvorlage wirft Heuel einen bisweilen wehmütigen, aber meist erfrischend ironisch-distanzierten Blick auf den Mythos Seefahrer. Zu den Klängen eines Schifferklaviers und den ersten Szenen des Films verteilt sich das siebenköpfige Ensemble in nautisch anmutendem Weiß und Spiegelbrillen auf der Bühne, die das Dilemma der Hauptfigur veranschaulicht: Zur Linken symbolisieren ein improvisierter Mastkorb und Klettergeschirr an Seilzügen die Seefahrt, rechts stehen drei kahle Betten für das Leben an Land und den einzigen Grund, warum ein echter Seemann sich hinreißen lassen könnte, die Bretter zu verlassen, die seine Welt bedeuten. Die Frage: See oder Frau?

Vor diesem Hintergrund wird mal ungefiltert per lip-synching eine Filmszene begleitet, mal szenisch gesprochen, mal chorisch vorgetragen und mitunter sogar unumwunden fürs Publikum zusammengefasst, was Seemann Hannes bewegt. Und zwischendurch immer wieder gesungen – mal schmetternd, mal säuselnd, mal sich in absurde Höhen schraubend, und nie ohne Augenzwinkern: von den Entbehrungen der Seefahrt, dem Schmerz des Abschieds, dem liebestollen Matrosen, der seine untreue Freundin umbringt. Die vier Männer auf der Bühne verkörpern abwechselnd Hannes, Menschen aus seiner Seefahrervergangenheit und seinem neuen ‚Land’-Leben. Die Frauen präsentieren sich als unberechenbar-grausames Trio: Die naive Gisa, die Hannes eher als väterlichen Retter begreift, die abgebrühte Ex-Geliebte Anita, für die Hannes nun arbeitet, und die Herzensbrecherin Margot, für die Seemänner an Land bleiben, obwohl sie es besser wissen müssten.
Frau oder See? Dann vielleicht doch lieber die See, die „wahre Seemannsbraut“, wie es in einem der Seemannslieder heißt? Nicht minder unberechenbar, aber wesentlich einfacher zu romantisieren…

Das fantastische Fringe Ensemble sprüht vor Humor und Musikalität. Und Akrobatik-Einlagen gibt es auch: In schwindelnder Höhe, auserkoren zu Hannes’ neuer Galionsfigur, erzählt Gisa von ihrem neuen Leben, nur um kurz darauf kreischend wieder herunterzuwollen. Man(n) kann halt nicht aus seiner Haut.

Beate Linnenkamp
www.campus-web.de, 28. September 2007

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Auf Matrosen, ohé!

Das fringe ensemble präsentiert die „Große Freiheit“

Trotz „blondem Hannes“ (Hans Albers) und modernster Farbfilmtechnik war das nicht nach dem Geschmack der Nazis: Keinen einzigen markigen Helden präsentierte Helmut Käutner in der „Großen Freiheit Nr. 7“, und auch die Frauen waren alles andere als „richtig deutsch“: viel zu emotional und innerlich zerrissen die einen, viel zu keck und selbstbewusst die anderen. Was Käutner 1943 im fernen Prag produziert hatte, erboste Goebbels vielmehr so sehr, dass der Film, obwohl von den Nazis in Auftrag gegeben, kurzerhand verboten wurde. Mittlerweile kennt ihn jeder, Songs wie „auf der Reeperbahn nachts um halb Eins“ oder „Beim ersten Mal, da tut´s noch weh“ gehören längst zum allgemeinen Liedgut.

Grund genug für das rührige, respektlose fringe ensemble, den etwas in die Jahre gekommenen Filmklassiker aus der Mottenkiste zu holen und ihn einer erfrischenden Generalüberholung zu unterziehen. Und wer den frechen Umgang der Bonner Theatertruppe (Stammsitz im Theater im Ballsaal in Endenich) kennt, weiß: Hier wird munter demontiert, kühn durcheinandergewirbelt und Altbekanntes zu einem neuen Puzzle zusammengesetzt. Das Konzept, das seit 1999 vom Ensemble bei literarischen Romanvorlagen äußerst erfolgreich angewandt wird, entstaubt nun die cineastische Vorlage um Seemannsleid und -freud ohne ihr jedoch – aller Distanz und Ironie zum Trotz – den Zauber zu nehmen.

In schlichtem Matrosenweiß singen, tanzen und agieren die stimmlich und schauspielerisch durchweg überzeugenden Mitglieder des Ensembles, was das Zeug hält: Jeder schlüpft beständig in eine andere Rolle. Mal ist dieser Hannes, mal jener, mal alle zusammen. Dialoge werden alleine präsentiert, die Handlung mal eben fürs Publikum zusammengefasst, um dann wiederum Szenen aus dem Film zur Original-Tonspur pantomimisch darzustellen. Da werden die alten Gassenhauer gesäuselt, geschmettert oder bis ins Quietsch-Falsett in höchste Höhen getrieben. Akrobatische Kunststückchen werden vorgeführt und gleichzeitig persifliert, ein Eselsrennen akustisch nachgespielt – und ein höchst amüsanter kleiner Exkurs in die „Kedelsklopersprook“ unternommen.

Für die Zuschauer vergeht die 85-minütige, witzig-spritzige Inszenierung der „Großen Freiheit“ von Regisseur Frank Heuel geradezu wie im Flug. Man sollte aber darauf gefasst sein, sich noch tagelang dabei zu ertappen, wie man – auch an relativ unpassenden Orten – „Auf Matrosen, ohé“ vor sich hin singt.

Mona Grosche
schnüss, November 2007