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Am 21. April 2010 hat der Bonner General-Anzeiger eine ‚interne’ Streichliste der Bonner Kulturverwaltung in Erwartung eines Bonner Nothaushaltes veröffentlicht. Dazu die künstlerische Leitung des Theaters im Ballsaal Bonn in einem Brief an die Parteien, an die Leitung des Kulturamtes und an den Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch der Bundesstadt Bonn.

„Die im Generalanzeiger vom 21. April veröffentlichte Kürzungsliste hat uns als direkt Betroffene aus dem Nichts heraus getroffen. Die Liste sieht für das Theater im Ballsaal eine Reduzierung der Förderung von 170.000,- € auf 100.000,- € vor. Dies entspricht einer Kürzung von 41,12 %! Es erübrigt sich auszuführen, dass dies der Beendigung der derzeitigen Konzeption des Theater im Ballsaal gleichkommt. Diese sich an dieser Stelle noch einmal genauer anzuschauen, lohnt sich durchaus, war doch die Verwaltung entscheidend beteiligt an ihrer Entwicklung. So haben wir gemeinsam mit dem Kulturamt unter Federführung des Dezernenten im Jahre 2005 die Personal- und Verwaltungskosten drastisch minimiert, um zu einer Förderung der beiden Gruppen fringe ensemble und COCOONDANCE zu gelangen. Seitdem gibt es im Ballsaal keine eigene künstlerische Leitung mehr, sondern 2 Gruppen, die sich nach genauen Absprachen die Spielzeiten im Ballsaal aufteilen und die jeweils eigenen Zeiten dort selbstständig organisieren und finanzieren. Die Fördermittel abzüglich der zu zahlenden Miete, einer halben Stelle für Verwaltung und Produktion und Verteilung des Ballsaal-Spielplan-Flyers werden zwischen den Gruppen aufgeteilt. Diese nutzen diese Mittel, um den Spielbetrieb im Ballsaal zu finanzieren und einen kleinen Grundstock zur Produktion in die Finanzierung der Projekte einstellen zu können. Somit wird von den derzeit 170.000,- € das Theater im Ballsaal und das fringe ensemble und COCOONDANCE gefördert. Zur Finanzierung dieser Konzeption waren zusätzlich 20.000,- € aus einer Vermietung über drei Monate fest eingeplant und auch von Seiten des Kulturamtes mit einberechnet; zu dieser Vermietung musste sich der Ballsaal vertraglich einseitig verpflichten. Der Mieter hat nach zwei Jahren eine andere Örtlichkeit gewählt und den Ausfall der Miete musste der Ballsaal alleine kompensieren. Dies ist nur zum Teil gelungen, das Kulturamt ist über diese „Unterfinanzierung“ informiert; dies führt insbesondere im Bereich der technischen Ausstattung zum Reparaturstau und zu fehlenden Investitionen.

Dies ist knapp skizziert die Situation heute. Zusammengefasst: Die Konzeption ist sachlich gesehen ein kleiner Geniestreich gewesen, hat sie doch drei wichtige Einrichtungen in Bonn erhalten und ihnen eine echte Perspektive geboten, sie ist seit 3 bis 4 Jahren jedoch latent unterfinanziert und wird mit einer weiteren Kürzung nun komplett zur Disposition gestellt.

Die Erfolgsstory vom Theater im Ballsaal, fringe ensemble und COCOONDANCE basiert genau auf dieser Konzeption und die Existenz aller drei Einrichtungen ist zentraler Bestandteil und sich gegenseitig Voraussetzung. Der Einzelne wird von den jeweils beiden anderen gestützt.

Hier nur noch ein Letztes: Mit dieser Konzeption ist uns hier in Bonn Wegweisendes gelungen, da Künstlerförderung und Förderung eines Produktionsstandortes auf elegante Art und Weise miteinander verknüpft ist. Dieses kann insbesondere in den Zeiten der knappen Kassen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Frank Heuel, Rainald Endrass, Jörg Tewes