fringe ensemble

Das Bonner fringe ensemble existiert seit 1999 als freies Theater. Ensemble-Gründer und künstlerischer Leiter Frank Heuel hat seitdem mit seinem professionellen Ensemble über 60 Stücke, Reihen und Projekte entwickelt und herausgebracht.

Das theaterimballsaal dient dem Ensemble als Basis für die Produktion und Aufführung der Inszenierungen. Von hier aus startet das fringe ensemble zu Gastspielen: z.B. ins FFT Düsseldorf, ins Theater im Pumpenhaus Münster, in die Schaubühne Lindenfels Leipzig, die studiobühneköln oder mit den im internationalen Kontext entstandenen Stücken ins Ausland, wie zuletzt nach Warschau oder Rijeka.

Mit seinen Site-Specific-Projekten siedelt das fringe ensemble kurzfristig um: z. B. in verlassene Botschaften, auf öffentliche Plätze, ins Schwimmbad und verwandelt leerstehende Lokale zu multimedialen Treffpunkten oder errichtet mitten in der Natur speziell eingerichtete Open-Air-Arbeits-Camps.

Seit einigen Jahren liegt ein starker Fokus auf der Zusammenarbeit mit Autor*innen aus dem europäischen Raum: Unter dem Label fringe writers entwickelt das fringe ensemble neue Stücke und Formate gemeinsam mit mehreren Autor*innen, die unter bestimmten Spielregeln Texte für einen Abend schreiben. So entsteht jeweils ein perspektivenreiches, formal vielschichtiges Ausgangsmaterial für eine Inszenierung oder ungewöhnliche Formate: In 2011 entstand aus einer Zusammenarbeit mit vier europäischen Autoren die Produktion „Finnland“, von 2012 bis 2014 realisierte das fringe ensemble in Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels Leipzig das Projekt „Völkerschlachten“, welches neun Autoren aus neun europäischen Ländern zu einer gemeinsamen Arbeit zusammenbrachte und 2014 in die Produktion „Vor den Hunden – Theater aus Europa“ mündete. In Zusammenarbeit mit Autor*innen aus Deutschland, Russland, Kroatien, Frankreich und der Türkei entwickelte Frank Heuel in diesem Jahr die Produktion „Macbeth over Europe“.

Das fringe ensemble adaptiert zudem Roman- und Filmstoffe für die Bühne: zuletzt „Die Pest“, 2014, und „Moby Dick“, 2015, und erarbeitet semi-dokumentarische Produktionen auf der Basis von Interviews, u.a. „Geschichten Getürkt“ für die Biennale Bonn 2007, „I Said The Things You Told Me Not To Say“, 2009, „fremdKörper“, 2016.

In der experimentellen Reihe „Raum01“ (ff) entwickeln Frank Heuel und Bühnenbildnerin Annika Ley seit 2013 Formate und Produktionen, bei denen der Raum einerseits in besonderem Maße zum Mitspieler wird, andererseits die Zuschauer auf Entdeckungsreise gehen können oder ihnen eine besondere Begegnung mit Stoffen und Spielern ermöglicht werden.

Alle Arbeiten verbindet eine Spielweise und eine Ästhetik, für die der freie Umgang mit Rollenzuschreibungen, ein starker Fokus auf der Sprachbehandlung und das Aufbrechen von Erzählperspektiven charakteristisch ist.

Neben den Produktionen, die Frank Heuel künstlerisch verantwortet, werden in den letzten Jahren immer wieder auch Projekte von Ensemblemitgliedern erarbeitet – vom Musiker und Komponisten Gregor Schwellenbach, von den Schauspielern Andreas Meidinger, Severin von Hoensbroech oder Bettina Marugg.

fringe ensemble international
Bereits seit 2001 arbeitet das fringe ensemble in internationalen Kontexten. Zu den ersten internationalen Projekten gehörten Arbeiten mit Partnern aus den Niederlanden, Lettland, Polen und der Schweiz. 2012 entstand die deutsch-polnische Produktion „Niemands Land / Ziemia niczyja“ zusammen mit Schauspieler*innen des Teatr Powzechny in Warschau und 2015 das deutsch-ghanaische Projekt „Black Water“, das zunächst in Bonn und 2016 in Cape Coast / Ghana gezeigt wurde. Seit Anfang 2016 entwickelt Frank Heuel im Rahmen des Artist-in-Residence-Stipendiums der Kunststiftung NRW in Istanbul ein Netzwerk aus Theaterkünstler*innen und Theatern, mit denen das fringe ensemble in einen intensiven künstlerischen Austausch tritt. Mit „See the world through my eyes / Dünyaya Gözlerimden Bak“, dem ersten der „4Projekte Istanbul” fand im Oktober 2016 die erste Premiere in Istanbul statt.

Künstlerische Arbeiten im interkulturellen Bereich
Seit 2014 entwickelt das fringe ensemble interkulturelle Projekte. In AUFBRÜCHE waren junge Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern beteiligt, die sich in der schwierigen Lage befanden, hier in Deutschland eine Perspektive zu entwickeln, obwohl sie permanent von Abschiebung bedroht waren. Im Projekt UN-FLÜCHTIG hat das Ensemble mit nach Bonn geflüchteten Syrer*innen verschiedene Themen der Flucht und des Ankommens bearbeitet und in sehr unterschiedlichen Formaten präsentiert. Ein interkultureller Bürgerchor befindet sich zurzeit in der Planung.

Das fringe ensemble wird gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bonn. Zudem wurden die letzten internationalen Projekte von der Kulturstiftung des Bundes, Kunststiftung NRW, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Kulturstiftung Matrong, Stadt Münster, Stadt Leipzig, Bürgerstiftung Leipzig und dem NRW KULTURsekretariat gefördert.

 

Unsere letzten Produktionen 2015/16 _ Festivaleinladungen, Gastspiele

Das große Welttheater II – MACBETH OVER EUROPE, Premiere 2016, theaterimballsaal Bonn
Gastspiele
– FFT Düsseldorf, September 2016
– Theater im Pumpenhaus Münster, März 2017

Das große Welttheater I – MOBY DICK, Premiere 2015, theaterimballsaal Bonn
eingeladen
– west off 2015, studiobühneköln, November 2015
Gastspiel
– Theater im Pumpenhaus, Münster, Februar 2016

ARBEITSSCHLACHTEN, Premiere 2015, theaterimballsaal, Bonn
eingeladen
– west off 2015, FFT Düsseldorf, November 2015
– Festival FLURSTÜCKE 2015, Münster, Juni 2015
– Festival RIJEČKE LJETNE NOĆI, National Theater Rijeka, Juni 2015
Gastspiel
– Schaubühne Lindenfels, Leipzig, Februar 2016

 

Pressestimmen

Das fringe ensemble ist einer der ganz seltenen Fälle eines freien Repertoiretheaters. – Deutsche Bühne

Eine Theatersprache, die sinnlich und spannend ist. – General-Anzeiger Bonn

Frank Heuel macht aus dem Stoff einen hochrhythmischen Tanz zwischen Klonen und Klönen, Zögern und Zagen. – General-Anzeiger Bonn

Und mit aufgewühltem Gefühl verlässt das Publikum den Raum und ist, trotz einer latent unschönen Erkenntnis, überaus begeistert. – Westfälische Nachrichten

Frank Heuel gelingen schwerelose Spielsituationen, die von den Eigenarten der Menschen erzählen, ohne eine Story zu brauchen. – Westfälischer Anzeiger

Politisch kann man eben auch sein, wenn man nur nah genug rankommt an das Leben. Im besten Sinn bewies das die Theatergruppe fringe ensemble. – taz

Was man sieht, will nicht so recht zu dem passen, was man hört. Aber das ist eben Theater. Ausgezeichnetes in diesem Fall sogar. – Münstersche Zeitung

Die Zusammenarbeit des fringe ensembles mit lettischen Schauspielern, die bisher fast ausschließlich Sprechtheater in der Stanislawski-Tradition gewohnt waren, ist ein Beweis, was für Potenzial in solchen Projekten stecken kann. Im kleinen Raum schafft Regisseur Frank Heuel immer wieder überwältigende Bilder. – Frankfurter Rundschau

Die Aufführung wird zur Vorführung, das Spiel zur Demonstration einer Wirklichkeit, die sich dem Ideal nicht mehr anders zu nähern weiß als durch Parodie – ein Meisterstück modernen Regietheaters.  – Münstersche Zeitung

Schärfer, genauer kann man literarische Texte nicht auf die Bühnen bringen als Heuel. Das fringe ensemble hat exzellente Sprecher für die Stimmenregie. – Bonner Rundschau

 

Frank Heuel (* 1960)

ist frei arbeitender Regisseur und künstlerischer Leiter des fringe ensemble, Bonn und des theaterimballsaal, Bonn.

2002 wurde Frank Heuel in der Zeitschrift Theater heute für seine Inszenierung von „www.hotel.e“ zum besten deutschen Nachwuchsregisseur nominiert. Für die Festivals „Theaterzwang“ und „friends“ übernahm er 2002, bzw. 2004 die künstlerische Leitung. 2006 wurde er mit dem NRW Förderpreis für die Produktion „Geschichten+“ ausgezeichnet.

Am Theater Bonn leitete er von 2007-2009 den „Club der Utopisten“. 2008 entstand dort zudem in seiner Regie die Uraufführung von „Das Treibhaus“ nach dem Roman von Wolfgang Koeppen. Die Uraufführung von „Zwei Welten“, ebenfalls am Theater Bonn, wurde zum NRW Theatertreffen 2010 eingeladen.

Von 2011 bis 2014 war Frank Heuel Mitglied der Künstlerischen Leitung der Schaubühne Lindenfels in Leipzig. Er inszenierte dort die Arbeiten des SchauEnsemble.

Zurzeit ist Frank Heuel im Rahmen des ARTIST-IN-RESIDENCE PROGRAMM der Kunststiftung NRW in Istanbul. In den kommenden Monaten realisiert er dort mit türkischen Theaterleuten unter dem Projekttitel 4PROJECTS ISTANBUL verschiedene Produktionen – zum Teil unter Beteiligung einiger Schauspieler*innen des fringe ensemble.

Ensemblemitglieder früherer Produktionen