Ende April las ich in der Zeitung, dass nach 600 Jahren die Geschichte des Kölner Schlachthofs endet. Seit Mai wird in der Stadt nicht mehr geschlachtet. Porträts der letzten Schlächter von Köln für „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“, das wäre was…

Die letzten Schlachter von Köln from Blotter on Vimeo.

Gleich am nächsten Tag fuhr ich zum Schlachthof und sprach mit dem Direktor. Er verwies mich allerdings an die einzelnen Firmen, die die Schlächter beschäftigen. Eine Ochsentour fing an. Täglich war ich auf dem Schlachthof und versuchte die einzelnen Chefs von meinem Vorhaben zu überzeugen, die letzten Schlächter von Köln für die Geschichte zu dokumentieren. Nebenbei habe ich auch das Theater erwähnt. Es war frustrierend, auch wenn es mir immer wieder gelang, einen der Metzger einzeln zu einem Foto und Interview zu überreden. Bis ich Herrn K. fand, den Chef einer der Firmen am Schlachthof. Er hörte sich mein Anliegen an und sagte nur kurz: „Kommen Sie morgen um 7 Uhr.“

Ich bekam einen weißen Mantel und eine Netzkappe für den Kopf. Ich stellte mich vor ca. 20 Fleisch verarbeitende Männer und erklärte kurz mein Vorhaben. Dann bat ich sie einzeln zum Fotografieren und Befragen. Da im Schlachthof das Fotografieren verboten war, bat ich sie nach draußen vor die Tür. In zwei Stunden waren wir fertig.
Am nächsten Tag war ich wieder im Schlachthof. Ich durfte mich jetzt frei bewegen, vorausgesetzt, dass ich drinnen keine Aufnahmen mache. Ich hielt mich daran, stand meistens abseits und beobachtete die Schlächter bei ihrer Arbeit. Immer, wenn sie eine Rauchpause machten und ihre Blut bespritzen Gesichter der Sonne entgegen streckten, waren sie sanftmütig. Momente, in denen sie bereit waren, mit mir zu sprechen und von sich ein Bild machen zu lassen. Einzeln oder in kleinen Gruppen, zu dritt, zu viert. Die letzten Schlächter von Köln.
Josef Šnobl, September 2010

Die letzten Schlächter von Köln sind in der Inszenierung DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE zu sehen.