„Der Großinquisitor“ heißt das fünfte Kapitel des fünften Buches aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski. In einer Spielfassung von Lothar Kittstein präsentiert das fringe ensemble am 19. November den Stoff im Dialograum „Kreuzung an St. Helena“.

Der Großinquisitor

von Fjodor Dostojewski
in einer Spielfassung von Lothar Kittstein

im Rahmen von DAS SAKRAMENT DES GROSSEN BÜFFEL/GESICHTER DER MACHT

Mit: Georg Lennarz und Martin Erdmann
Regie: Frank Heuel
Raum/Kostüme: Annika Ley
Musik: Martin Erdmann
Assitenz: Svenja Pauka
Hospitanz: Marie Seulen

Gesellschaftlicher und kirchlicher Machtausübung nachzugehen, das Geflecht von Macht und Ohnmacht, das unsere Leben beherrscht, auszuloten, die lebensnotwendigen, aber auch destruktiven Wirkungen von Macht zu erkennen, ist Gegenstand des Projektes „Das Sakrament des großen Büffels. Gesichter der Macht“.

In einer Installation und szenischen Lesung gleichermaßen führt das fringe ensemble die Zuschauer in die Gedankenwelt des greisen Großinquisitors. Gespiegelt, verdreifacht, fokussiert und selbsterfahrend füllt der Monolog den ganzen Raum. Dostojewskis Kritik an der römischen Kirche und sein Bekenntnis zu Jesus Christus gilt auch heute noch als einer der tiefgreifendsten, philosophischen Texte unserer Zeit.

04. November 2011 – 20 Uhr
19. November 2011 – 20 Uhr
im Dialograum Kreuzung an Sankt Helena
Bornheimer Straße 130 – Bonn-Nord

Karten
an der Abendkasse und im Vorverkauf:
Pastoralbüro St. Petrus | Heerstraße 128 | 53111 Bonn
Mo., Di., Do. 9–12 Uhr | Mo., Mi., Fr. 15–18 Uhr
Münsterladen | Gehard-von-Are-Straße 5 | 53111 Bonn
Mo.– Fr. 10–18.30 Uhr | Sa. 10–16 Uhr

Presse

Der Großinquisitor“ nach Dostojewski

Die Bürde der Freiheit sei zu schwer für die Mehrheit der Menschen, die nicht nach dem himmlischen Brot verlangten, sondern schlicht essen wollten. Ihr Glück sei die Unterwerfung unter die drei ewig die Welt beherrschenden Kräfte: das Wunder, das Geheimnis und die Autorität.
Das hält der alte Großinquisitor Christus vor, der im Sevilla des 16. Jahrhunderts aufgetaucht ist, wo die Scheiterhaufen der Ketzer brennen. „Warum bist du gekommen, uns zu stören?“, fragt der Greis den gefangenen genommenen Gottessohn, in dessen Namen die Inquisition foltert und mordet.
Mit Frank Heuels Inszenierung der berühmten Erzählung „Der Großinquisitor“ aus Dostojewskis letztem Roman „Die Brüder Karamasow“ begann im Dialograum „Kreuzung an St. Helena“ die von der Pfarrgemeinde St. Petrus in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk veranstaltete Reihe „Das Sakrament des großen Büffels. Gesichter der Macht“.
Heuel schickt das Publikum zunächst frei durch die zwölf Stationen einer Rauminstallation von Annika Ley. Die Zuschauer erleben die Sätze aktiv sinnlich, tragen sie sich gegenseitig vor, sprechen sie ins Megaphon, soufflieren sie einem Schauspieler oder lauschen ihnen über Kopfhörer.
Der Autor Lothar Kittstein hat die komplexe Dialektik von Dostojewskis Text dramatisch zugespitzt. Aus den abstrakten Sprachfragmenten wird im dunklen Bühnenraum unmittelbar konkretes Material. Im postdramatischen Wörterrauschen entwickeln sich jedoch gedankliche Zusammenhänge, während der Musiker Martin Erdmann an der elektronischen Orgel ruhige Klanginseln schafft.
Nach einer halbstündigen Wanderung versammelt man sich schließlich doch noch zu einer klassischen Theatersituation. Beim inneren Dialog des imaginierten Gesprächs zwischen dem Großinquisitor und seinem verhafteten stummen Gegenüber agiert der Schauspieler Georg Lennarz vor einem Spiegel zwischen zwei Videomonitoren, die beide ihn selbst zeigen. Der historisch Mächtige und der scheinbar Ohnmächtige sind identisch.

Elisabeth Einecke-Klövekorn, General-Anzeiger, 07. November 2011