Ein Kurde, ein Türke und ein Deutscher, die sich in godothafter Atmosphäre irgendwo im Nirgendwo treffen, sind die Protagonisten in Mirza Metins Stück ZWISCHENHALT – das dritte von 4 PROJEKTE ISTANBUL.

4Projekte Istanbul

Im ersten Teil seines Aufenthaltes in Istanbul hat Frank Heuel im Frühjahr 2016 nach einer intensiven Recherche Kontakt zu einzelnen Künstler*innen und Gruppen aufgenommen, um mit ihnen gemeinsam Ideen für vier Projekte zu entwickeln. Diese wird er nun nach und nach realsieren. Die erste Premiere ist bereits am 01. Oktober 2016.
Alle vier Projekte befassen sich mit der Bedeutung von Sprache, und damit mit den Themen Identität und Heimat. Aber auch mit Gewalt und Verlust. Im Aufeinandertreffen zwischen deutschen und türkischen Stoffen, Texten und Künstler*innen gilt das Interesse dem Blick des Anderen aufs Eigene.

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See the world through my eyes
Dünyaya Gözlerimden Bak

in Zusammenarbeit mit dem Theater D22

Texte von Lothar Kittstein
Regie Frank Heuel
Mit Can Kulan, Berkay Ateş, Emir Çubukçu

Premiere 01. Oktober 2016,  Istanbul

SEE THE WORLD THROUGH MY EYES ist der Name eines Theaterprojektes, das aus sehr ungewöhnlichen Perspektiven auf das Phänomen Krieg schaut. Wir sehen mit den Augen eines Grenzsoldaten, der das Eindringen ins eigene Land von Fremden verhindern soll und sich dabei in eine erotisch konnotierte Abhängigkeit manövriert, mit denen eines Drohnenpiloten, der aus seinem sicheren Büro im Westen eine Drohne steuernd Bomben auf Kriegsgebiete im Osten wirft, und liegen mit einem Kriegsveteranen, den das Trauma seiner eigenen Taten nicht ruhen lässt, in einem Krankenbett und wohnen seinem Versuch eines Dialogs mit einer Fliege bei.

Kittsteins Sprache kreiert hier innere Monologe im Sinne des stream of consciousness und gewährt uns einen schonungslosen wie überraschenden Blick auf und in die Welt. Der Stoff ist gerade in der Türkei hochaktuell und aber auch in Form und Inhalt so ungewöhnlich, dass er sich löst von einer direkten und damit platten Kriegsanklage.

 

lostinlanguage

Lost in Language
Dilde Kayboluş

Theaterperformance
in Zusammenarbeit mit dem Theater Kumbaraci50

Mit Berfin Zenderlioglu, Gülhan Kadim, Laila Nielsen
Raum Annika Ley
Regie Frank Heuel

Premiere: 26. November 2016, Istanbul

Lost in Language / Dilde Kayboluş beruht auf einer realen Biographie einer heute in Istanbul lebenden 32-jährigen Kurdin (nennen wir sie B.), die mit ihrer Familie im Alter zwischen 6 und 12 Jahren als Flüchtling in Deutschland lebte, dann zurück in die Türkei ging und dort zwischen Anatolien und Istanbul bis zum 20. Lebensjahr hin und her wechselte. Die Familie gehört den Aleviten an, B. selber ist in Deutschland protestantisch getauft, bezeichnet sich als Atheistin.

Ihr Lebenslauf liest sich wie ein nomadisches Wandern zwischen Welten. Die einzelnen Welten waren und sind auch immer voneinander unterscheidbare Sprachräume, in die sie sich ständig einfinden musste. Diese Prozesse sind geprägt vom Gefühl des Fremd- und Ausgeschlossen-Sein und vom ständigen Versuch, sich die Sprachräume anzueignen, um heimisch zu werden oder zumindest nicht aufzufallen.

 

Zwischenhalt
Aradurak
Rawestgeharaf

von Mirza Metin

In Zusammenarbeit mit ŞERMOLA PERFORMANS

Mit Sermet Yesil, Mirza Metin, David Fischer
Regie Frank Heuel

Premiere 17. Februar 2017, Istanbul

Der kurdische Autor und Schauspieler Mirza Metin hat einen starken Text über die aktuelle Situation in der Türkei geschrieben. An einer Bushaltestelle im Nirgendwo treffen sich ein Türke, ein Kurde und ein Deutscher – alle drei auf der versuchten Flucht in den Westen und unfähig die jeweils anderen zu verstehen. Trotz der verzweifelten Situation voll der Komik!

Werfen Sie einen Blick auf den dreisprachigen Programmzettel.

 

4Projekte Istanbul wird gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Goethe Institut Istanbul.