fringe & friends / Istanbul

See the world through my eyes/Dünyaya Gözlerimden Bak
Lost in Language/Dilde Kayboluş
Zwischenhalt/Aradurak/Rawestgeharaf
Berlin Zamanı/Zeit für Berlin

In einer Zeit, in der in der Türkei Theater geschlossen, Künstler entlassen und Spielpläne wie Inszenierungen staatlich kontrolliert werden, verbringt Frank Heuel 2016/17 im Rahmen eines Stipendiums der Kunststiftung NRW mit Unterbrechungen insgesamt acht Monate in Istanbul. Dort erarbeitet er in Kooperation mit verschiedenen Theatern und Ensembles der freien Szene drei Stücke.

Anfang 2016 ist die Situation für die Theaterschaffenden bereits nicht leicht. Sie verschärft sich massiv mit dem Putschversuch im Juni 2016. Auf die freie Szene in Istanbul wird Druck ausgeübt: Staatliche Subventionen werden massiv gekürzt oder entfallen ganz.

Trotz dieser Schwierigkeiten hat Frank Heuel bei den Theaterschaffenden eine große Entschlossenheit erlebt, weiterzumachen. Die drei Arbeiten, die unter seiner Regie und in türkisch-deutschen Teams entstanden sind, zeugen von dieser Kraft der Entschlossenheit und machen das Klima, die besondere Situation und die latenten Ängste in ganz unterschiedlicher Weise spürbar.

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See the world through my eyes
Dünyaya Gözlerimden Bak

in Zusammenarbeit mit dem Theater D22

Texte von Lothar Kittstein
Regie Frank Heuel
Mit Can Kulan, Berkay Ateş, Emir Çubukçu

Premiere 01. Oktober 2016,  Istanbul

SEE THE WORLD THROUGH MY EYES / DÜNYAYA GÖZLERIMDEN BAK ist die erste Produktion, die Frank Heuel in Istanbul mit drei türkischen Schauspielern des Theater D22 erarbeitete. Die Texte für seine Inszenierung hat er aus Deutschland mitgebracht. In drei Monologen eröffnet der Bonner Autor Lothar Kittstein ungewohnte Perspektiven auf das Phänomen Krieg. Die Protagonisten sind allesamt Kriegsakteure: ein Grenzsoldat, ein Drohnenpilot und ein Kriegsveteran – degeneriert bis zur Bestie, unfähig zu sozialen Kontakten, dem normalen Leben hilflos ausgeliefert.

Das Istanbuler Theater D22 hatte 2016 seine Spielstätte verloren. Das Team fand für dieses Stück eine kongeniale Bühne: Ein altes armenisches Holzhaus mit seinen leeren und verlassenen Zimmern bot perfekte Räume für die Geschichten der Unbehausten. In Bonn und Münster erwartet das Publikum eine ähnlich verdichtete Zuschauer-Situation.

Die Vorstellung findet bei den Vorstellungen in Deutschland in türkischer Sprache mit deutscher Übertitelung statt.

 

lostinlanguage

Lost in Language
Dilde Kayboluş

Theaterperformance
in Zusammenarbeit mit dem Theater Kumbaraci50

Mit Berfin Zenderlioglu, Gülhan Kadim, Laila Nielsen
Raum Annika Ley
Regie Frank Heuel

Premiere: 26. November 2016, Istanbul

LOST IN LANGUAGE / DILDE KAYBOLUŞ beruht auf der Biografie einer heute in Istanbul lebenden 32-jährigen Kurdin. Nennen wir sie B.
Mit ihrer Familie lebte B. im Alter von sechs bis zwölf Jahren als Flüchtling in Deutschland und besuchte hier die Schule. Dann ging sie mit ihrer Familie zurück in die Türkei und pendelte dort zwischen Anatolien und Istanbul hin und her – bis zu ihrem 20. Lebensjahr.

Die Familie gehört den Aleviten an, B. ist in Deutschland protestantisch getauft, bezeichnet sich aber als Atheistin. Ihr Lebenslauf liest sich wie ein nomadisches Wandern zwischen Welten. Der Verlust der Sprache, die damit verbundene fundamentale Entwurzelung und die Notwendigkeit, immer wieder neu anzufangen, sind die prägenden Erfahrungen ihres jungen Lebens.

Frank Heuel lässt die Geschichte von drei Schauspielerinnen in ihrer jeweiligen Muttersprache erzählen: von einer Kurdin, einer Türkin und einer Deutschen.

 

Zwischenhalt
Aradurak
Rawestgeharaf

von Mirza Metin

In Zusammenarbeit mit ŞERMOLA PERFORMANS

Mit Sermet Yesil, Mirza Metin, David Fischer
Regie Frank Heuel

Premiere 17. Februar 2017, Istanbul

An einer Bushaltestelle im Nirgendwo treffen sich ein Türke, ein Kurde und ein Deutscher. Es droht ein gefährlicher Sturm, sie möchten das Land verlassen. Während sie den Bus erwarten, versuchen sie miteinander ins Gespräch zu kommen, doch jeder beherrscht lediglich die eigene Muttersprache. Im Laufe des immer absurder werdenden Dialogs, bei dem eine Puppe die Sprachhürden für Momente zu überwinden vermag, wird langsam klar: Der Bus wird nie kommen.

ZWISCHENHALT / ARADURAK / RAWESTGEHARAF ist ein starkes Stück voller Komik und Tragik über die aktuelle Situation in der Türkei und über die Sehnsucht, sich trotz unterschiedlicher Herkunft, Sprachen und Hintergründe verstehen zu wollen.

Frank Heuel inszenierte ZWISCHENHALT / ARADURAK / RAWESTGEHARAF in Zusammenarbeit mit şermola performans dreisprachig mit einem deutsch-kurdisch-türkischen-Ensemble. Im April erhielt die Produktion den Spezial-Preis der Jury „Direklerarası Seyircileri“, einer unabhängigen Zuschauerjury. Im Oktober ist sie zum Festival URBÄNG nach Köln eingeladen.

Werfen Sie einen Blick auf den dreisprachigen Programmzettel.

 

Berlin Zamanı
Zeit für Berlin

von Ceren Ercan, übersetzt von Monika Demirel

Mit: Justine Hauer, Selin Kavak, Manuel Klein
Regie: Frank Heuel
Bühne und Kostüme: Annika Ley
Sound, Musik: Ömer Sarıgedik

Premiere: 18. Januar 2018, theaterimballsaal, Bonn

Uraufführung: 22. Dezember 2017, toy, Istanbul

Deutschland ist eines der beliebtesten Einwanderungsziele der Türken. Daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Doch der 15. Juli 2016, der Tag des Putschversuches in der Türkei, markiert den Beginn einer neuen Einwanderungsbewegung. Das One-Way-Ticket hat bei den meisten das Ziel Berlin. Die deutsche Hauptstadt, in der bereits 200.000 Menschen mit einer türkischen Herkunftsgeschichte leben, zieht Intellektuelle, Journalist*innen, Künstler*innen insbesondere aus den großen Metropolen Ankara und Istanbul an. Ihre Wege kreuzen sich in Berlin kaum mit denen, die schon dort länger leben. Die junge, politisch hoch interessierte und dynamische Diaspora hat bereits einen eigenen Namen: Sie sind die New-Wave-Berliner*innen, unter Hochdruck auf der Suche nach einem eigenen Lebensstil, einer neuen Identität.

In ZEIT FÜR BERLIN verfolgt die türkische Autorin Ceren Ercan drei junge Menschen in den Straßen von Berlin und Istanbul, die Teil der New-Wave-Berlin sind oder es werden wollen. Sie sehen sich als europäische Türken. Sie eint die Tatsache, dass sie das politische Klima in der Türkei nicht mit ihren Zielen und ihrem Leben vereinbaren lässt. Aber was erwartet sie in Berlin? Werden sie hier ein neues Leben für sich kreieren können?

ZEIT FÜR BERLIN ist ein starkes Stück über drei junge Menschen, die einen politisch motivierten Sprung in ein neues Leben wagen – ohne Netz.

Eine Produktion von fringe ensemble/Türkei GbR. Gefördert durch: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Goethe Institut Istanbul.

 

4Projekte Istanbul wird gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Goethe Institut Istanbul.